Geschichte

Mittenwalder Hütte 1518m

Karwendelhütte

Karwendelhütte

Ihren Ursprung hat die Hütte in der 1879 am Karwendelsteig erbauten Arbeiterunterkunft. Nachdem mit den Jahren der kühne Steig auf das Karwendel weit bekannt war blieb nicht aus, daß diese Unterkunft bereits im Jahre 1888 vollständig umgebaut wurde und als nicht heizbare, unverschlossene Unterstandshütte für Touristen hergerichtet wurde. Nachtlager schienen damals nicht notwendig da – wie es hieß – die Entfernung von Mittenwald nur knapp 2 Stunden beträgt und das Mittlere Kreuz von der Hütte aus in zweieinhalb Stunden erreichbar ist. Die Umgestaltung des 20qm großen Bauwerks erforderte 250,- DM, die vom Zentralausschuß erstattet wurden. 1891 erfolgte ein Anbau mit einfachen Übernachtungslagern. Im Jahre 1904 war wiederum eine gründliche Reparatur der Hütte fällig. Als Rekognition (wie damals eine Anerkennungsgebühr hieß) war an das Forstamt des bayerischen Staates als Grundstückseigentümer pro Jahr DM 1,- zu entrichten. Heute stehen leider ganz andere Summen zur Debatte. Hüttenbücher lagen auch damals schon auf der Karwendelhütte auf, die im Jahr 1885  186 Besucher, 1894 bereits 630 Besucher aufwiesen. Die sehr bescheidene Unterkunftshütte – mehr ein Unterstand – war dem Ansturm der Besucher schon lange nicht mehr gewachsen. Eine für 1914 vorgesehene  Erweiterung für den Wirtschaftsbetrieb sollte 1700,- Mark kosten. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges aber ließ diesen Plan scheitern, wie auch zwei Anläufe zu einem Neubau 1919 und 1925 erfolglos blieben.

Karwendelhütte im Jahre 1904
Karwendelhütte im Jahre 1904

Die dann ab 1921 einfach bewirtschaftete Hütte, vom damaligen Hüttenpächter Wastl Tiefenbrunner (Busl Wastl) auf dessen Kosten notdürftig erweitert, mit Veranda versehen und verschindelt, musste dann 1934 einem neuen, geräumigen Gebäude Platz machen. Bereits 1931 wurde mit der Planung eines Neubaus begonnen. Das Mitglied, Baumeister Anton Wurmer, übernahm Planung und Neubau der Hütte, die dann im Jahre 1934 endgültig fertiggestellt wurde. Ein großer Gastraum, Küche, Keller und sechs Räume mit 25 Matratzenlagern boten den Bergsteigern Unterkunft. Die Beschindelung der Außenwände stammte vom abgerissenen Großherzog-Adolf-Haus am Ferein. Die Hüttenpächter Josef und Anna Hornsteiner (Schnouzer) versorgten Bergsteiger und Gäste auf das Beste. Die Hüttenversorgung erfolgte durch Mulis oder meistens mittels der Kraxn. Bei Kriegsende wurde unsere Hütte zwar nicht mit amerikanischen Soldaten belegt, wie dies am Ferein der Fall war aber vom Tal aus unter Beschuss genommen, da man dort verschanzte deutsche  Soldaten vermutete. Kaum war der 2. Weltkrieg zu Ende, fiel im Jahre 1946 diese schöne Hütte einer Brandstiftung  zum Opfer und brannte restlos ab.

Karwendelhütte im Jahre 1925

Karwendelhütte im Jahre 1925

Mit Hilfe von Spenden aus nah und fern und viel ehrenamtlicher Arbeit war es möglich geworden, im September  1948 mit dem Materialtransport für den Neubau der abgebrannten Mittenwalder Hütte zu beginnen. Die Mittenwalder wollten ohne Ihre Mittenwalder Hütte nicht leben! Am 29. September 1948 säumten alle acht in Mittenwald vorhandenen Mulis Baumaterial den Karwendelsteig hoch. Sämtliche Bretter und Balken für den Hüttenbau schleppten freiwillige Träger zu Baustelle. Eine imponierende Gemeinschaftsleistung, die die Einstellung und den Geist der Sektionsmitglieder widerspiegelt. Eine aus heutiger Sicht nicht mehr vorstellbare Leistung! Am 7. Oktober 1948  sah man, als sich die Wolken über dem Karwendel lichteten, die Grundmauern aufsteigen.

Am Kirchweihsamstag, dem 17. Oktober 1948, erschien im Hochlandboten der Artikel:

„Unsere Mittenwalder Hütte steht wieder!“

Dies löste bei den Mittenwaldern allerseits Freude aus. Am 30. Oktober 1948 früh klärte es sich auf und die Nebeldecke wich: der Bau in seiner ganzen Stattlichkeit war sichtbar. Mittags wurde die weißblaue Fahne aufgezogen. Bei der Hebefeier mauerte man über der Tür zur Küche eine Blechkapsel mit Aufzeichnungen aus der Sektions- und Hüttengeschichte sowie Mitteilungen des DAV’s, Tageszeitungen und Geldscheine in die Mauer ein. Zu Beginn der Bergsteigersaison, am 20. Juli 1949, wurde die neue Mittenwalder Hütte unter großer Beteiligung der Bevölkerung feierlich eingeweiht. Natürlich hatte der Neubau die Finanzen der Sektion stark belastet. Es vergingen aber noch Jahre, bis die Hütte entsprechend ausgestattet war, ergänzende Bauten wie Toiletten und anderes standen und die finanziellen Verpflichtungen beseitigt waren. Problematisch für unsere Hütte war schon immer die Wasserversorgung.

Karwendelhütte im Jahre 1929

Karwendelhütte im Jahre 1929

Der unvergessene Hüttenwirt Luggi Hornsteiner, der mit seiner Frau Elli die Hütte von seiner Mutter übernahm und sie von 1951 bis 1967 bewirtschaftete, hat den Hüttenwasserbedarf viele Jahre aus der unterhalb der Hütte gelegenen Quellzisterne mühsam geholt. Spätere Versuche, eine Wasserleitung vom Schneefeld oberhalb der Arzgrube zur Hütte zu legen, scheiterten wie andere Überlegungen am praktischen Erfolg. Sehr viel später – 1967 – kam dann doch die lange in Aussicht genommene Materialseilbahn zustande, dies eine Leistung, die ohne die aufopfernde Hilfe der Männer von der Klettergilde nie verwirklicht worden wäre, denn der finanzielle Rahmen war sehr eng gesteckt. Schon allein aus diesem Grunde war es nicht möglich, die Bergstation bis an die Hütte zu legen.

Mittenwalder-Hütte 1934

Mittenwalder-Hütte 1934

1975 wurde ein neues Zugseil für die Materialbahn aufgezogen und ein Bierkeller sowie ein Wasserreservoir gebaut. Ebenso mussten durch schwere Unwetter beachtliche Wegschäden beseitigt werden.  Bereits 1985 wurde eine neue Materialseilbahn zur Mittenwalder Hütte  und deren Umbau geplant und dann auch 1987 durchgeführt. Der Abbau der alten und der Neubau einer leistungsstarken, nunmehr direkt zur Hütte führenden Materialseilbahn wurden durch eine Spezialfirma durchgeführt.  Vom Ortsnetz ausgehend wurde eine Wasserleitung zur Talstation der Materialseilbahn verlegt, um die Wasserversorgung der Hütte zu gewährleisten. In der Hütte wurde ebenfalls eine Pächterwohnung  ausgebaut und im Sanitärbereich erhebliche Verbesserungen durchgeführt. Die Gesamtbaukosten betrugen hierfür 30700,- Mark. 1989 erhielt die Mittenwalder Hütte eine Solaranlage und die talseitige Stützmauer mußte 1990 erneuert werden. 1994 wurden neue, zeitgemäße Fenster und auf der Nordseite des Hüttengrundstücks der Bau einer massiven Stützmauer unumgänglich. Der Hubschrauber flog pausenlos Eisen, Beton und sonstiges Material hinauf und eine Flugminute kostete bereits ein stattliches Sümmchen.  Je nach Größe der „Flugmaschinen“ müssen heute 80,- Mark und noch mehr für eine Minute berappt werde.

Dank der großzügigen Spende unseres Ehrenmitglieds Herrn Johann Neuner, Brauereibesitzer, erhielt die Gaststube in der Mittenwalder Hütte einen Kachelofen. Im Jahre 1997 wurde mit der Verlegung einer unterirdischen Abwasserleitung von der Hütte durch die Firma Mangold begonnen. Gleichzeitig wurde ein Stromkabel verlegt. Die Hütte konnte somit 1998 an das örtliche Kanalnetz angeschlossen werden. Eine Maßnahme, die nur ganz wenige Hütten in dieser exponierten Lage vorweisen können. Die Materialseilbahn fährt seitdem elektrisch. Diese Maßnahme hat den Sektionsetat mit stattlichen 380000,- DM strapaziert. Unsere Mittenwalder Hütte verfügt über 27 Lager und 5 Notlager. Der von Mittenwald aus gut sichtbare und beliebte Stützpunkt  wird von Bergsteigern, Einheimischen und Gästen gerne besucht.

Text: Fritz Löffler Quellennachweis: Sektionschronik Rudolf Sonnenbichler und Festschrift zum 125 Jubiläum